HDR ohne Kitsch-Effekt

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Was bedeutet HDR-Fotografie?

Ein grosses Problem bei der Landschaftsfotografie sind die teils enormen Helligkeitsunterschiede in einem Bild. Das menschliche Auge ist auch heute noch dem Sensor einer Digitalkamera weit überlegen. Sehr gute Sensoren können ca. 12 Blendenstufen aufzeichnen. Dies reicht aber leider noch lange nicht aus, um kontrastreiche Szenen so darzustellen, wie wir selber erlebt haben. Fotografiert man eine solche Szene ist entweder der dunkle Vordergrund viel zu Schwarz, oder der helle Himmel ausgeblichen.

Mittels High Dynamic Range (HDR) Fotografie soll das Problem gelöst werden. Man macht von einer Szene mehrere Aufnahmen und belichtet dabei sowohl auf die Hellen wie auch die Dunklen Bildinhalte. Per Spezialsoftware werden die Bilder dann wieder zusammengerechnet. Was dabei herauskommt, entspricht leider nicht mehr der Idee von natürlich wirkenden Bildern. Über Geschmack lässt sich bekanntlich ja streiten, aber Bilder wie diese hier, sind einfach zu kitschig.

Deswegen habe zeige ich in diesem Post zwei Möglichkeiten auf, wie HDR-Fotos auch ohne Kitsch-Effekt gemacht werden können. Dafür braucht es zuerst nun ein geeignetes Versuchsobjekt.

HDR-Bilder ohne Kitsch-Effekt – Versuchsbild

Auf einem Fototrip durch Namibia bin ich auf die folgende Schlucht gestossen. Ein Blick nach oben zeigte den blauen Himmel, der Blick nach unten dunkle Felswände und ebenso dunkles Wasser. Meine Kamera hatte also keine Chance alle Bildbereiche korrekt zu belichten, also genau so, wie ich sie gesehen habe. Entweder waren die hellen Bildbereiche komplett ausgefressen oder die Dunklen komplett schwarz. Also habe ich die Szene im Abstand von zwei Blenden ab Stativ einmal komplett durchfotografiert:

Methode 1 – Maskieren in Photoshop mit Luminanzmasken

Das Prinzip ist in der Theorie einfach. Ich lege die vier Bilder in Photoshop in einzelnen Ebenen übereinander. Mittels Ebenenmasken und bsp dem Pinsel-Werkzeug zeichnet man für jede Ebene die Stellen heraus, die im fertigen Bild erscheinen sollen. Im dunklen Bild oben stelle ich also den blauen Himmel frei und aus den hellen Bildern die Schlucht inkl. Wasser. In der Praxis funktioniert dieses einfache Vorgehen aber nur zufriedenstellend bei Bildern mit sehr harmonischen und fliessenden weichen Übergängen zwischen den unterschiedlichen Helligkeitsbereichen im Bild (Beispiel). Im Bild oben sind die Übergänge zu hart, das Endresultat wäre eine unschöne “Malerei”.

Wesentlich besser geeignet für mein Bild sind deshalb sog. Luminanzmasken. Diese können in Photoshop automatisch erstellt werden und liefern für das Freistellen mittels Pinsel viel bessere Grundlagen. Die folgenden beiden Tutorials (englisch) liefern eine gut nachvollziehbare Step-by-Step Anleitung zum Vorgehen:

Tutorial 1 – Luminosity Masks
Tutorial 2 – Hand-Blending High Dynamic Range (HDR) Images Using Luminosity Masks

Anhand dieses Vorgehens, habe ich das folgende Bild erstellt (Zeitaufwand ca. 20 Min). Dieses entspricht nun schon wesentlich besser der Szene, die ich vor Ort erlebt habe. Etwas unschön sind die Übergänge in den hellen Bildbereichen sowie vom Felsen zum Himmel. Mit mehr Zeit liesse sich das natürlich noch optimieren.

HDR in Photoshop - Zusammenfügen aus mehreren Eben mittels "Luminosity masks"

Maskieren in Photoshop mit Luminanzmasken

Methode 2 – Lightroom Plugin LR/Enfuse

Der Nachteil am Arbeiten mit Luminanzmasken ist klar der grosse Zeitaufwand und ein Aufblasen des Workflows (Bilder exportieren, Photoshop starten, etc). Viel einfacher geht da der Einsatz eines Plugins für Lightroom zur Hand. Auf der Seite Photographer’s Toolbox steht das Plugin LR/Enfuse zur Verfügung. Die Anwendung ist bestechend einfach wie schnell. Ich markiere in Lightroom die Ausgangsbilder von oben, starte LR/Enfuse und sehe nach einigen Sekunden das fertige Bild in meiner LR-Bibliothek. Voraussetzung ist, dass die Bilder ab Stativ erstellt wurden. Für Freihandaufnahmen steht zusätzlich eine (rechenintensive) Funktion zur Verfügung, welche die Bilder wieder übereinander legt

Herausgekommen ist folgendes Resultat. Für meinen Geschmack finde ich dieses natürlicher als der erste Versuch oben.

HDR mittels LR/Enfuse direkt in Lightroom

HDR mittels LR/Enfuse direkt in Lightroom

Fazit

Für HDR-Bilder gibt es zwischenzeitlich viele Softwareprodukte.(Liste unten) Einige davon werde ich bei Gelegenheit sicher auch noch näher unter die Lupe nehmen. Mir ist aber mindestens so wichtig, dass die Bearbeitung zweckmässig und rasch stattfinden kann und in den gesamten Workflow integriert ist. Schliesslich bin ich Fotograf und nicht Programmierer, sprich ich will die Zeit hinter der Kamera verbringen und nicht hinter dem Computer.

Wenn es also rasch gehen soll, verwende ich LR/Enfuse oder male in Photoshop die Masken einfach von Hand hin. Mit den Luminanzmasken habe ich die Möglichkeit, jedes feinste Detail bei Bedarf einzustellen. Naturgemäss ist hier aber viel Try und Error angesagt. Der wichtigste Anspruch ans Bild ist am Schluss aber immer die Natürlichkeit, egal wie das Bild bearbeitet wurde.

Software für HDR-Fotografie

Photomatix
LR/Enfuse (Plugin für Lightroom)
FDR Tools Advanced
HDR Darkroom
HDR Photostudio

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