Fotoreise USA 4 – Slot Canyons

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In diesem Beitrag gehe ich vertieft auf die Fotografie in Slot Canyons ein und zeige viele Beispiele aus meinem eigenem Portfolio. Am Schluss des Beitrages finden sich zudem viele hilfreiche Tipps für tolle eigene Bilder in Slot Canyons.

Einführung Slot Canyons

Ich bin ein grosser Fan von Slot Canyons. Damit sind enge, durch fliessendes Wasser geschaffene Schluchten gemeint. Fotografisch spannend daran ist das fehlende direkte Licht am Grund eines Slot Canyons. Die Sonne kann je nach Tageszeit ihr Licht nur an den oberen Teil des Canyons werfen und dies in einem steilen Winkel. Weil die Canyons in der Regel aus farbigem Sandstein (engl. Sandstone) bestehen, entsteht dadurch eine neue Lichtquelle, die je nach Farbe des Sandsteins den Grund des Slot Canyons farbig beleuchtet. Zusammen mit den geschliffenen Steinen entstehen die abenteuerlichsten Kompositionen aus Lichtfarbe, Schatten und Texturen. In ganz seltenen Fällen und je nach Jahreszeit findet ein einziger Lichtstrahl den Weg auf den Grund des Slot Canyons. In dem Fall spricht man von sog. “Light Beams”, ebenfalls sehr fotogen.

Slot Canyons sind zum Fotografieren sehr spannend. Weil sich die Sonne ständig bewegt, ändern sich damit auch die Lichtverhältnisse im Canyon ständig. Zudem sind gerade die bekannten Slot Canyons schon millionenfach fotografiert, womit der Spielraum für eigene Kompositionen sehr viel kleiner geworden ist. Aus diesem Grund habe ich mich speziell auf das Zusammenspiel von Licht und Schatten ausgerichtet und die Light Beams mehr oder weniger zur Seite gelassen.

Slot Canyons gibt es hier im “American Southwest” viele. Es gibt sogar eine eigene Webseite, welche alle Canyons porträtiert. Viele davon sind (leider) nur mit 4 WD erreichbar. Daher habe die folgenden (gut erreichbaren) besucht:

  • Kanarraville Creek
  • Lower Antelope Canyon
  • Upper Antelope Canyon
  • Rattlesnake Canyon
  • Cathedral Wash
  • Canon X

Kanarraville Creek

Dieser Slot Canyon liegt in der Nähe des Zion National Parks. Vom Parkplatz ist man ca. 1 Stunde zu Fuss zum Eingang unterwegs. Der Weg führt entlang des Creeks und quert diesen des Öfteren. Eine gute Einstellung zu nassen Füssen ist also hilfreich. Jetzt im Mai kommt erschwerend dazu, dass der Fluss viel eiskaltes Schmelzwasser führt. Wanderschuhe aus Neopren wären dafür ideal. Diese können in Springdale gemietet werden. Mit normalen Wanderschuhen sind die Füsse irgendwann auf Null runter gefroren, da heisst es auf die Zähne beissen. Sehr hilfreich sind Wanderstöcke, weil man oft nicht sieht, wo man hintritt. Mein einem Rucksack voller Kameraausrüstung möchte man nicht baden gehen.

Eine gute Tageszeit zum Fotografieren ist im Laufe des Nachmittags. Dann hat es kein direktes Sonnenlicht mehr.

Nikon D300, 11-16mm, ISO500, f/10, 1/40 sek

Nikon D300, 11-16mm, ISO100, f/16, 1.6 sek

Nikon D300, 11-16mm, ISO100, f/16, 1.6 sek

Nikon D300, 11-16mm, ISO200, f/14, 3 sek

Lower Antelope Canyon

Die beiden Antelope Canyons (Lower / Upper) gehören sicher zu den bekanntesten Ihrer Art und sind entsprechen gut vermarktet und besucht. Sie liegen kurz ausserhalb von Page selber. Der Lower Canyon ist der “wildere” der Beiden. Er ist rauher, verwinkelter, die Motive liegen nicht gleich auf der Hand. Der Besuch ist mit etwas Kletterei verbunden, dafür ist der Zugang vom Parkplatz aus zu Fuss erreichbar.

Fotografisch mag ich den Lower Antelope persönlich besser. Man kann sich im Gegensatz zum Upper Canyon hier völlig frei bewegen und es hat weniger Besucher. Das Photopermit erlaubt einem die Besuchszeit auf max. 4h auszudehnen, im Gegensatz zum Upper Canyon wo die Zeit auf 2h limitiert ist. Das Permit kostet USD 26.-. Der Upper Canyon verschlingt bereits USD 40.-.

Wer auf der Suche nach kräftigen Farben ist, besucht den Lower am Morgen so zwischen 8 und 10 Uhr. Dann hat es auch noch am wenigsten Leute. Über Mittag ist das Licht wenig interessant. Ab 14 Uhr wird es dann wieder sehr spannend mit vielen Licht / Schatten Kombinationen. Im Idealfall nutzt man das 4h Permit für zwei Besuche am gleichen Tag. 2h am Morgen, dann Pause, dann 2h am Nachmittag. Die Bilder hier sind fast alle am Nachmittag entstanden.

Upper Antelope Canyon

Der Upper Antelope ist sozusagen der Platzhirsch unter den Slot Canyons. Er bietet Light Beams im Überfluss, tolle Farbenspiele und mehr Platz für Besucher weil er grösser, breiter und etwas einfacher begehbar ist. Vom Parkplatz aus wird man in halsbrecherischer Fahrt über den sandigen Antelope Creek zu Eingang gefahren.

Die grosse Bekanntheit des Upper Antelope ist zugleich der grösste Feind für dem ambitionierten Fotografen. Der Besucherandrang ist teilweise so gross, dass der Canyon gnadenlos überfüllt ist. Und das meine ich wirklich so. Ich war am Memorial Day Weekend auf einer der Phototours, über Mittag. An diesem Tag wurden ca. 2000 Leute durch den Canyon geschleust. Im Canyon waren verschiedene Guides, die den “Verkehr regeln” mussten. Es gab schlichtweg keinen Platz mehr, um ein Stativ aufzustellen. Ganz abgesehen von den Leuten die ständig im Bild standen. Die Guides haben die Schar in Gruppen durch die Canyons gelotst und die ganze Fotografie orchestriert. Das heisst sie haben gesagt, wer wo hinsteht, in welche Richtung die Kamera zeigen muss und mit welchen Einstellungen fotografiert werden soll. Für eigene Kreativität bleibt da null Spielraum. Um diesem Dilemma zu entgehen, habe ich folgende Tipps bereit:

– Besuch am Wochenende vermeiden
– Besuch an Feiertagen wie bsp Memorial Day vermeiden
– Peak time ist von 11 bis 13 Uhr weil dann die Light Beams zu sehen sind. Die Randstunden (ab 8-10 Uhr morgens, ab 15 Uhr Nachmittags) sind wesentlich ruhiger
– Besuch zur Hauptsaison vermeiden ( Von Memorial Day bis ca. Ende Juli)

Zurück zur Tour… Ich hab die zwei Stunden tapfer durchgehalten, auch wenn es wirklich grausig war, was sich das abspielte. Photos habe ich keine gemacht. Irgendwann bin ich zum Navajo-Guide gegangen (selber ein Photograf) und hab ihm mein Leid geklagt. Er hatte volles Verständnis und hat mir dann erlaubt, den Rest des Tages selbstständig im Canyon zu verbringen. Anstelle um 13 Uhr zurück zu fahren konnte ich bis 17 Uhr bleiben. Das hat den Tag dann definitv gerettet.

Rattlesnake Canyon

Der Rattlesnake Canyon (AZ) liegt auf der Zufahrt zum Upper Antelope. Öffentlich zugänglich ist er gemäss Aussagen der Navajo-Crew am Kassenhäuschen nicht. Sozusagen als Wiedergutmachung zur oben beschriebenen (Tor)tour erhielt ich trotzdem von meinem Guide die Erlaubnis, dort fotografieren. Der Canyon ist relativ kurz und sehr verwunden. Die Wände sind mit schon fast geometrisch anmutenden Linien überzogen, zusammen mit den vielen Kurven also sehr fotogen. Da er fast nie besucht wird, sind die Wände und der Boden mit viel Sand überzogen. Auch herrscht absolute Stille, weil niemand sonst da ist. Zusammengefasst bietet der Rattlesnake ein sehr viel ruhigeres Erlebnis als der Upper Antelope, ist aber nicht minder interessant zum Fotografieren. Ich war im am Nachmittag da, das Licht war dann gut.

Cathedral Wash

Der Cathedral Wash befindet sich ca. 1 Stunde südlich von Page auf der Zufahrtsstrecke zu Lee’s Ferry. Er ist kein echter Slot Canyon, dafür ist der Weg zu breit, die Wände zu wenig schön strukturiert. Trotzdem ist er eine Wanderung wert, denn am Ende der ca. 45min wartet der rauschende Colorado River mit ein paar sehr netten Örtchen zum abhängen. Wer Lust hat kann auch im Fluss baden gehen, im Mai jetzt war das Wasser aber eisig kalt. Für die Wanderung empfiehlt sich der späte Nachmittag. Viele Stellen des Weges befinden sich dann im kühlen Schatten und zum Fotografieren sind die Wände sehr schön indirekt beleuchtet.

Canon X

Canyon X ist der heimlich Favorit von Slot Canyons in Page. Zumindest wird er gemäss verschiedenen Webseiten als solcher gehandelt. Er liegt auf Privatgrund und ist nur via geführter Tour durch Overland Canyon Tours zugänglich. Die Anzahl der Teilnehmer ist auf ca. 6 Stück pro Tag beschränkt. Canyon X ist wider Erwarten relativ kurz aber extrem spannend. Die Phototour wurde von Jackson Bridges geleitet einem ortskundigen Fotografen. Obwohl der Ausflug eher teuer ist, kann ich Canyon X für Photographen uneingeschränkt empfehlen.

Fototipps für Slot Canyons

  • Im Vorfeld informieren, wann gute Lichtbedingungen und den Canyon wirklich nur dann besuchen
  • Wenig ist mehr. Slot Canyon verleiten dazu, wie wild alles zu knipsen, was vor die Linse kommt. Deshalb den Fokus auf die wirklich spannenden Motive legen, diese gezielt suchen und dann ausarbeiten. Bei allen Bildern hier habe ich ca. 10 bis 30 Versuche gebraucht, um die wirklich optimale Komposition zu finden. Wenn es dann immer noch nicht passt, soll mein abbrechen und sich ein neues Motiv suchen.
  • Motivsuche: Mit High Iso (bsp 3200) von Hand verschiedene Kompositionen ausprobieren und am Monitor überrüfen. Die Bilder sind technisch zwar unbrauchbar da verschwommen oder verrauscht. Trotzdem lässt sich daraus lesen, ob bsp Farben, Linien, Oberflächen und die komplette Bildwirkung Potential haben oder nicht. Falls ja, Stativ aufstellen, die ideale Komposition ausarbeiten und ein technisch einwandfreies Bild erstellen. Falls nein, weitersuchen. Mit dieser Methode ist man wesentlich effektiver als jedesmal das Stativ aufzustellen.
  • Stellen mit direkter Sonneneinstrahlung vermeiden. Diese erscheinen auf dem Bild später als weisse Flecken  und können auch softwaretechnisch nicht wieder hergestellt werden
  • Nicht nur nach vorne, sonder auch nach hinten und oben schauen. Viele der Bilder hier sind Kompositionen, die nach oben ausgerichtet sind
  • Kombinationen von rötlichen und blauen Lichttönen wirken sehr gut. Die blauen Töne entstehen durch schwach einfallendes direktes Licht, die roten durch reflektiertes indirektes Licht.
  • Stativ ist Pflicht. Belichtungszeiten liegen im Bereich von einigen Sekunden, teils sogar Minuten.
  • Vorsicht vor dem Sand. Jeder Schritt wirbelt etwas Sand in die Luft. Im Upper Antelope gehört es zwischenzeitlich zum guten Ton bei den Light Beams Sand in die Luft zu werfen, um den Strahl intensiver zu machen. Im Rattlesnake Canyon hat der starke Wind an der Oberfläche immer wieder Sandansammlungen in den Felswänden aktiviert. Mehr als einmal hat eine solche Minilawine von Sand auf mich “runtergeregnet”. Deswegen: Fototasche zu, Objektivwechsel nur im geschützten Bereich oder gar nicht, abgedichtete Gehäuse und Objektive verwenden, oder Plastiksack drumherum, wer mit einfacherer Ausrüstung unterwegs ist.
  • Geduld und Höflichkeit mitbringen. Der Canyon gehört nicht dir alleine sondern allen die dort sind. Wenn das Stativ den Weg blockiert, räumt man es weg, wartet bis die Leute durch sind und macht dann weiter. Alternative: Das Stativ auf Kopfhöhe aufstellen, damit Leute unten durchlaufen können. Wenn man nur noch ein paar Sekunden für die letzten Bilder braucht, darf man auch kurz bitten zu warten.

2 Kommentare

  1. Verena und Luigi

    Vielen Dank für diese Infos auf deiner Website. Wir sind gerade in Page und haben bei Overland CanyonmTours den Upper Antilope Canyon gebucht. Die folgenden 2 Wochen sind total ausgebucht, es war nur noch heute um 16h für zwei Personen Platz und wir haben es nicht bereut. Gestern war Memorial Day

  2. Sabine

    Ich kann fast nicht glauben, dass du diese Bilder wirklich selber fotographiert hast, sie sind fast unwirklich schön, total märchenhaft…. dass die Natur so etwas zu bieten hat, grenzt schon an ein Wunder. Soweit ich das beurteilen kann, hast du aber die Lichtmomente und die Ausschnitte hervorragend getroffen!
    Herzliche Gratulation, das ist echt stark! Chapeau!!!

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