Fotoreise USA 5 – Nachtfotografie & Lightpainting

* Verwandte Bilder / Themen:

Dieser Artikel zeigt zwei der kreativsten Bereiche der Landschaftsfotografie auf. Auf der einen Seite die Nachtfotografie, also das Fotografieren im Dunkeln der Nacht (bsp Sterne), auf der anderen Seite das “Malen mit Licht” (Lightpainting), ebenfalls im Dunkeln vollzogen.

Kombination von Nachtfotografie und Lightpainting (9 Aufnahmen), Double Arch im Arches NP USA

Sowohl Lightpainting als auch Nachtfotografie sind nur möglich, weil die Kamera in der Lage ist, Licht über einen bestimmten Zeitraum zu sammeln. Je länger ein Bild belichtet wird, dest heller wird es. Damit lassen sich selbst kleine Lichtquellen wie Sterne schön abbilden. Das menschliche Auge ist dazu nicht in der Lage. Selbst bei sehr langem Betrachten eines Gegenstandes in der Nacht wird dieser nicht heller. Der Vorteil der Kamera macht also Nachtfotografie und Lightpainting zu sehr kreativen Mitteln in der Landschaftsfotografie. Beide Kreativtechniken lassen sich übrigens sehr schön miteinander kombinieren, wie dieses Beispiel zeigt.

Im folgenden zeige ich Schritt für Schritt auf, wie das Bild oben entstanden ist. Im Grundsatz besteht es aus verschiedenen Aufnahmen, die anschliessend in Photoshop zu einem Bild verarbeitet werden. Dazu am Schluss des Artikels aber mehr.

Vorbereitung / Ausrüstung

Im Vorfeld sollte eine Komposition erarbeitet werden, wo der Himmel eine tragende Rolle spielt. Entsprechend sollte genug Himmelsfläche im Bild vorhanden sein. Es empfiehlt sich ein Ort weitab von anderen Lichtquellen wie bsp Städte. Diese würden die Qualität der abgebildetetn Sternen negativ beeinflussen. Weiter sollte man sich überlegen, auf welche Oberfläche das Lightpainting angewandt wird und wie diese das Licht reflektiert. In meinem Beispiel ist das roter Sandstein im Arches National Park, der sich gut dafür eignet. Wer sog. Startrails aufnehmen möchte, sucht sich den Polarstern und platziert in passend ins Bild. Die restlichen Sterne rotieren um den Polarstern herum, dadurch ergeben sich die kreisförmigen Starttrails.

Neben der Kamera empfehle ich zusätzlich folgende Gegenstände:

  • Stativ
  • Stirnlampe
  • Taschenlampe
  • warme Kleider
  • Volle Ersatzbatterie für Kamera
  • Drehbuch mit Kameraeinstellungen beim ersten Versuch
  • Umgang mit Histogram lernen (Expose to the right)

1. Einrichten – 60 min vor Sonnenuntergang

Die Kamera wird aufs Stativ montiert. Beim Platzieren des Stativs daran denken, dass man im Dunklen mehrfach darum herumlaufen muss. Also genug Freiraum lassen. Voll geladene Ersatzbatterie einsetzen. Komposition und Schärfe mittels Testaufnahmen prüfen. Wenn das alles abgeschlossen ist, darf das Stativ NICHT MEHR BEWEGT werden. Das Verändern von Kameraeinstellungen sollte deshalb auf ein Minimum reduziert werden. Jedes Berührung der Kamera vergrössert das Risiko, diese zu verschieben. Ein anschliessendes Zusammenfügen der Aufnahmen am PC ist dann nicht mehr möglich, resp. nur noch mit grossem Aufwand und schlechter Qualität der Maskierungen. Einstellungen: ISO 200, f11

2. Bild “Oberfläche” – vor Sonnenuntergang

Bild "Oberfläche" - vor Sonnenuntergang

Nikon D300, 11-16mm, ISO200, f/11, 1.6 sek

Es empfiehlt sich eine Aufnahme der Oberfläche (bsp Stein) der Szene zu machen. Diese wird später evt. benötigt, um den Oberflächen etwas Textur zu verleihen. Dieses Bild wird noch mit natürlichem Licht erstellt. Einstellungen: ISO 200, f11

3. Bild “Himmel” – 20 bis 30 min nach Sonnenuntergang

Bild "Himmel" - 20 bis 30 min nach Sonnenuntergang

Nikon D300, 11-16mm, ISO200, f/11, 5.0 sek

Im Verlauf der Dämmerung wird ein Bild des tiefblauen Himmels erstellt, der aber noch KEINE Sterne enthält. Diese rauschfreie Aufnahme wird als Hintergrund für die Sterne benötigt. Zudem kann damit in Photoshop sehr einfach eine pixelgenaue Maske für den Bereich des Himmels erzeugt werden. Einstellungen: ISO 200, f11, Belichtungszeit anhand anhand einer Spotmessung auf den Himmel. “Expose to the right” um Rauschen zu minimieren.

4. Bild “Lightpainting” – ca. 40-50 min nach Sonnenuntergang

Bild "Lightpainting" - ca. 40-50 min nach Sonnenuntergang

Nikon D300, 11-16mm, ISO200, f/9, 101 sek

Bild "Lightpainting" - ca. 40-50 min nach Sonnenuntergang

Nikon D300, 11-16mm, ISO200, f/9, 101 sek

Knapp eine Stunde nach Sonnenuntergang ist der Himmel meist bereits sehr dunkel, die ersten Sterne zeigen sich und man hat trotzdem noch genug Restlicht, um sich ohne Taschenlampe am Platz bewegen zu können. Der ideale Zeitpunkt, um mit einer starken Taschenlampe das Bild “zu malen”. In der fertigen Fotografie werden die beleuchteten Flächen mit Abstand am hellsten daherkommen. Daher empfiehlt es sich, im Vorfeld bereits eine fertige Visualisierung des Bilds zu entwickeln. Die Belichtungszeit sollte vergleichsweise tief gehalten werden, um Rauschen zu verhindern. In diesem Beispiel war die Belichtungszeit ca. 100 Sekunden, bei ISO 200 und f11. Soll eine grosse Fläche wie in dieser Fotografie bemalt werden, braucht es mehrere Aufnahmen, die anschliessend zusammengefügt werden. In meinem Bild waren 6 Aufnahmen notwendig, um alle Bereiche genug hell auszuleuchten. Dank der Digitaltechnik bekommt man bereits nach der ersten Aufnahme sehr schnell ein Gefühl, wie man “malen” muss, um das Bild korrekt zu belichten. Bei einer grossen Fläche muss auch der Abstand zwischen Taschenlampe und Objekt berücksichtigt werden. Je weiter weg das Objekt ist, desto langsamer muss gemalt werden. Grund: Die Beleuchtungsstärke der Lampe sinkt (im Quadrat) mit zunehmender Distanz. Wichtig ist noch darauf zu achten, dass die Lampe selber nicht im Bild erscheint. Der helle Schein würde sonst sofort einen weissen Punkt ohne Zeichnung hinterlassen.

5. Bild “Sterne” – 1.5h nach Sonnenuntergang

Bild "Sterne" - 1.5h nach Sonnenuntergang

Nikon D300, 11-16mm, ISO1600, f/2.8, 15 sek

Für die Aufnahmen der Sterne, muss der Himmel komplett dunkel sein. Im Idealfall ist der Mond noch nicht aufgegangen oder scheint zumindest nicht allzu hell. Die Kamera wird auf ISO 1600, f2.8 und 15 Sekunden Belichtungszeit eingestellt. Man macht ca. 3-5 Aufnahmen in kurzen Abständen. Obwohl die Sterne in dieser Zeit bereits etwas wandern, wird im fertigen Bild keine Linie zu sehen sein. Es ist eher so, dass der einzelnen Stern durch die Kombination mehrerer Aufnahmen etwas in die “Länge gezogen” wird und dadurch im fertigen Bild mehr Strahlkraft erhält.

6. Photoshop

Zuerst werden die Bilder aus Schritt 1 bis 5 im Raw-Konverter konventionell aufbereitet. Bei den Sternenbilder wird das Rauschen reduziert und über eine Tonwertkorrektur der Hintergrund abgedunkelt und die Sterne aufgehellt. Dann werden alle Bilder als jpg oder tiff exportiert. In Photoshop wird jedes Bild in eine eigene Ebene gelegt. Dunklere Bilder liegen unten, die hellen Oben. Mit Ausnahme des untersten Bildes wird der Blending Mode bei allen Bilder auf “Lighten” gesetzt. (Liste oberhalb der Ebenen im Layers-Bereich.) Dadurch werden nur Bildinhalte übernommen, die heller sind, als die Darunterliegenden. In meinem Fall hat sich die folgende Anordnung an Ebenen ergeben:

  • Lightpainting 1 / Lighten (Oberste Ebene)
  • Lightpainting 2 / Lighten
  • Lightpainting 3 / Lighten
  • Lightpainting 4 / Lighten
  • Lightpainting 5 / Lighten
  • Lightpainting 6 / Lighten
  • Himmel / Lighten
  • Sterne 1 / Lighten
  • Sterne 2 / Lighten
  • Sterne 3 / Normal (Unterste Ebene)

Damit ist das Bild bereits fast fertig. Was noch stört sind die Bereiche des Himmels in den Bildern “Lightpainting”, die momentan noch summiert dargestellt werden. Am besten werden diese aus dem fertigen Bild komplett ausgeblendet. Am einfachsten geht dies über eine Maske welche in den Ebenen “Lightpaiting” den Himmel entfernt. Die Maske wird durch eine einfache Farbselektion des blauen Himmels im Bild “Himmel” erstellt. Wenn die Kamera nicht bewegt wird, passt die Maske pixelgenau.

Fazit

Kombination von Nachtfotografie und Lightpainting (9 Aufnahmen), Double Arch im Arches NP USA

Lightpainting und Nachfotografie erweitern die kreativen Möglichkeiten jedes Landschaftsfotografen um ein Mehrfaches. Die Kombination von natürlichem und künstlichen Licht bietet ein spannendes Spielfeld für ungewohnte Resultate, die jeden Betrachter in Ihren Bann ziehen wird. Die Technik hierfür ist einfach zu erlernen. Ein einfaches Drehbuch für den ersten Versuch garantiert schnelle Erfolge und macht definitv Lust auf mehr.

Eine sehr ausführlich Anleitung auf Englisch zum Thema Nachtfotografie findet sich übrigens auf der Webseite von Floris von Breugel: http://www.artinnaturephotography.com

1 Kommentar

  1. wunderbare Aufnahme … lightpainting hat schon einen besonderen Effekt. Vielleicht waere das Bild auch mit Startrails interessant gewesen … in jedem Fall ein “Knuellerbild”!

Einen Kommentar schreiben