Fotoreise USA 7 – Ausgetretene Pfade verlassen (Arches National Park)

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Als ich mir während der Reise überlegt habe, ein paar Tage im Arches National Park zu bleiben, war mein spontaner Gedanke: “Was willst du denn da noch fotografieren?” Jedes Jahr strömen unzählige mit Kamera behangenen Besucher in den Park und fotografieren alles und jedes. Nicht gerade ideale Bedingungen also, wenn man weiss, dass schöne Aufnahmen eher in Abgeschiedenheit und Ruhe entstehen können, als mitten im Trubel der Leute.

Nichts desto trotz fuhr schlussendlich doch für ein paar Tage nach Moab. Die Tatsache, dass der Park mit dem Auto gut erreichbar und 24h lang offen ist, beflügelte meine Kreativität mehr als die Vorstellung an überfüllte Spots. Zusätzlicher Tatendrang beschehrte mir mein Vorsatz, die bekannten Parkschönheiten in neuen Einstellungen fotografieren zu wollen. Zudem wusste ich aus früheren Reisen, dass die meisten Besucher bei Sonnenuntergang zum Delicate Arch fuhren. Das bedeutete mehr oder weniger keine Leute bei den restlichen Attraktionen.

Als Vorbereitung schaute ich mir im Web die klassischen Aufnahmen der einzelnen Arches an, um diese Bilder ansschliessend dann zu vermeiden. Was sich jetzt trivial anhören mag, ist leider eine typische Kreativitätsfalle für Landschaftsfotografen. Jeder Spot hat magische Anziehungspunkte, wo man beim Erstbbesuch automatisch hingeht und das Foto schiesst. Deswegen sehen die meisten Bilder gleich aus und man versinkt mit den eigenen Aufnahmen in der Masse. Abhilfe schaffen diese einfachen Regeln:

  • Standpunkt vermeiden, wo man “automatisch” hinläuft. Die anderen laufen nämlich auch an diese Stelle, alle Photos sehen deshalb gleich aus.
  • Einen Ort mehrfach besuchen
  • Unterschiedliche Standpunkte ausprobieren

Turret Arch

Das typische Foto des Turret Arches wird durch die Öffnung des North Windows gemacht oder ist eine Totale des ganzen Bogens (Beispiele). Auffällig an den Beispielen sind zwei Dinge. Einerseits befindet sich der Fotograf immer auf Höhe des Bogens oder leicht darüber, anderseits ist die Blickrichtung meist vom gegenüberliegenden North resp South Window. Warum? Ganz einfach: Dort startet der Weg vom Parkplatz aus in Richtung der Arches. Die Leute bleiben im Zentrum stehen und fotografieren die Arches (Siehe Regel oben).

Um mit diese Regeln zu brechen, suchte ich einen Standpunkt auf der gegenüberliegenden Seite des Bogens und auf einem tieferen Niveau. Nach mehreren Versuchen gelang mir die untenstehende Aufnahme: Die Textur des Felsen wiederholt sich schön in der Form der Wolken, die beiden Farben blau und orange passen zueinander, der Schatten führt den Blick ins Bild und das Auge kann dort auf Entdeckungsreise gehen.

Nikon D300, 11-16mm, ISO200, f/8, 1/13 sek

North Windows

Das North Windows ist wie der Turret Arch sehr einfach zugänglich. Man kann mit dem Auto bequem auf den Parkplatz fahren und erreicht den Bogen über einen gut ausgebauten Weg in 5 Minuten. Entsprechend gibt es auch hier wieder viele Beispiele im Web zu sehen. Um hier neue Standpunkte zu finden, kam mir die Natur zu Hilfe. Der Weg zum Arch hört nämlich direkt darunter auf, resp geht schnell in leichte Kletterei über, will man den Bogen von der anderen Seite sehen. So habe ich mir einen Platz auf dieser Seite erklettert und bin nach einigem Probieren bei diesen Bildern gelandet. Die extreme Diagonale von rechts oben vermittelt dem Bild die notwendige Dramatik, um dem massiven Arch gerecht zu werden.

Nikon D300, 11-16mm, ISO200, f/11, 1/100 sek

Nikon D300, 11-16mm, ISO200, f/11, 1/40 sek

Double Arch

Ebenfalls vom gleichen Parkplatz gelangt man über einen kurzen Weg zum Double Arch, einer der eindrücklichsten Arches im Park. Auch hier gibt es wieder viel zu finden. So entschied ich mich spontan für eine Nachtaufnahme in Kombination mit Lightpainting. Weil der Park 24h lang offen und der Rückweg in der Nacht zum Womo einfach war, schien mir dies eine einfache Lösung für einen neuen Einblick in den Double Arch.

Wer übrigens an der Entstehungsgeschichte interessiert ist, findet hier eine Schritt für Schritt Anleitung für diese Aufnahme.

Kombination von Nachtfotografie und Lightpainting (9 Aufnahmen), Double Arch im Arches NP USA

Courthouse Tower

Der Tower liegt gut erreichbar ziemlich kurz nach dem Eingang zum Park. Schnell war klar, dass der am meisten genutzte Blickwinkel einfach auch der Beste war. Bei Sonnenaufgang wird der Tower wunderbar von schräg rechts ins erste Licht des Tages getaucht. Für diese Aufnahme gab es nur einen Standpunkt, der natürlich leicht zu entdecken war. Beim ersten Bild unten störten mich allerdings etwas die stürzenden Linien des Towers. Da ich kein Tilt / Shift Objektiv besitze, suchte ich für den nächsten Tag einen höher gelegenen Standpunkt. Per Zufall entdeckte in der überaus sehenswerten Gallerie von Tom Till in Moab ein Panoramabild des Towers, wie ich es mir vorgestellt hatte. Obwohl ich im Normalfall nicht aufs Kopieren aus bin, nutzte ich die Gelegenheit, um den Standpunkt von Till zu suchen. Dabei ist das zweite Bild unten entstanden, eine Aufnahme bestehende aus 5 Einzelbilder.

Nikon D300, 11-16mm, ISO200, f/13, 1/10 sek

Nikon D300, 24-70mm, ISO200, f/13, 1/20 sek

Fazit

Bei touristischen Motiven gerät man leider rasch in die Versuchung, alllzu Bekanntes fürs eigene Portfolio nachzufotografieren. Wer Zeit und Lust hat, sucht sich deshalb neue Umsetzungensideen. Etwas Recherche im Internet und eine gute Portion Kreativität verhelfen garantiert zu persönlichen und neuen Einsichten auf bekannte Motive.

1 Kommentar

  1. Was für Bilder! Bin hin und wech! Besonders gut gefällt mir die Nr. 317.

    Klasse auch, dass du das Making-Of des Stern-Bildes zeigst! Was für ein Aufwand und was für ein Ergebnis!!