HDR ohne Kitsch-Effekt – Rasche Resultate mit wenig Aufwand

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Wie bereits in einem früheren Artikel erwähnt, bin ich kein Fan von kitschigen HDR-Bildern. Trotzdem sind die Prinzipien der High Dynamic Range Fotografie sehr hilfreich, denn in der Landschaftsfotografie hat man oft Lichtsituationen, welche die Fähigkeiten aktueller Sensoren überfordern.

In diesem Artikel stelle ich deshalb eine HDR-Technik mit verschiedenen Vorteilen vor:

  • Einfach zu lernen, rasch anzuwenden
  • Ein Ausgangbild reicht – Keine Serieaufnahmen notwendig
  • Kontrolle liegt beim Fotografen und nicht in der HDR-Software
  • Natürlicher Look – HDR Bearbeitung ist nicht sichtbar

Ausgangsbild

Das Ausgangsbild entstand diesen Sommer in der Columbia River Gorge in Oregon, USA. Die Belichtung ist auf den hellsten Punkt im Wasser ausgerichtet, damit diese Stelle im fertigen Bild nicht ausgefressen ist (Ein leider häufiger Schönheitsfehler bei Wasseraufnahmen). Der Weissabgleich ist bei bei mir immer fix auf 5500K eingestellt, deshalb der blaue Look. Wichtig für die nachfolgende Verarbeitung ist das RAW-Format zu verwenden. Bildrauschen kann man mit der Expose to the right – Technik gut kontrollieren.

Ausgangsbild - Belichtet auf den hellsten Punkt im Wasser

Ausgangsbild - Belichtet auf den hellsten Punkt im Wasser

Weissabgleich

Im Raw-Konverter wird das Bild importiert und anschliessend ein automatischer Weissabgleich auf eine Stelle im Wasser durchgeführt. Die Farben werden dadurch wieder viel natürlicher. Das Weisswasser hat überall noch genügend feine Strukturen, die Umgebung ist aber viel zu dunkel.

Automatischer Weissabgleich aufs Wasser

Automatischer Weissabgleich aufs Wasser

Belichtung erhöhen

Vorausgesetzt das Bild ist im RAW-Format aufgenommen hat man genug Reserven, um die Belichtung zu erhöhen. In diesem Beispiel habe ich in Lightroom den Wert “Belichtung” deshalb um 1.5 Blenden erhöht.

Man sieht rasch wie die Bildwirkung der grünen Umgebung damit viel besser wird. Selbst der ehemals fast schwarze rechte Bereich hinter dem Wasser zeigt nun Bäume und Blätter, was dieser Zone Strukur und interessante Details verleiht.

Das Wasser hingegen ist an vielen Stellen ausgefressen. Die subtilen Details der oberen Kaskaden sind verschwunden, ebenso die feinen Ausläufer des Weiss- ins Schwarzwasser, welche verhindern, dass der Blick rechts unten aus dem Bild läuft.

Man könnte nun natürlich versuchen in Lightroom mit den Werten für “Wiederherstellung” (=Lichter herstellen) und “Aufhellicht” (Schatten aufhellen) die Vorteile der beiden Varianten miteinander zu kombinieren. Oft endet man dabei aber in einer Kompromisslösung, die nicht zufriedenstellend ist.

Deshalb zeige ich im nächsten Schritt auf, wie die beiden Bilder mit dem Kopierwerkzeug von Photoshop perfekt und rasch miteinander kombiniert werden können.

Belichtung plus 1.5 Blenden

Belichtung plus 1.5 Blenden

Photoshop – Bilder importieren

Als erstes werden die beiden Bilder nach Photoshop exportiert und dort in zwei Ebenen übereinander angelegt. Als Exportformat verwende ich jeweils tiff, 16 bit, AdobeRGB Farbraum.

Hell und dunkel aufeinander legen

Hell und dunkel aufeinander legen

Photoshop – Kopierstempel vorbereiten

Als nächstes wird der Kopierstempel (Engl. Clone Stamp Tool) vorbereitet. Wichtig: Normalerweise verwendet man den Kopierstempel, um Bildinhalte innerhalb eines Layers von A nach B zu kopieren. In diesem Fall verwenden wir den Stempel, um Inhalte zwischen zwei Layern zu kopieren, also um dunkle Stellen mit den Informationen aus dem hellen Bild zu übermalen. Die Vorbereitung geht folgendermassen:

Kopierstempel einrichten

Kopierstempel einrichten

  • Werkzeug Kopierstempel auswählen: Weicher Pinsel, Durchmesser ca 700px, Deckkraft ca 50%, Modus: normal, flow 100%
  • Layer “hell” auswählen
  • Ganzes Bild anzeigen: Ctrl + 0 (Null)
  • Cursor irgendwo im Bild platzieren
  • Den Ursprung des Kopierstempels setzen: Alt + linke Maustaste (Wichtig: Maus jetzt nicht mehr verschieben)
  • Zum Layer “dunkel” wechseln: Alt + , (Komma)
  • Linke Maustaste drücken (ohne Maus zu verschieben) und ein paar Malbewegungen machen (sind später nicht sichtbar)

Damit ist der Kopierstempel fertig vorbereitet. Die Maus kann ab jetzt wieder frei bewegt werden

Photoshop – Hellen Stellen nachmalen

Um die hellen Stellen mit dem Korrekturpinsel nachzumalen, geht man wie folgt vor:

– Layer “dunkel” auswählen
– Layer “hell” ausblenden (Klick auf Augensymbol link vom Layer)
– Losmalen (Bsp links unten im Bild)

Je nach Deckkraft und Pinselform hat man nun die volle Kontrolle übers Aufhellen von Bildstellen der grünen Umgebung. Das Wasser bleibt dabei unberührt.

Dunkle Stellen mit dem hellen Bild übermalen

Dunkle Stellen mit dem hellen Bild übermalen

Fertiges Bild

Hier das fertige Bild. Sowohl die feinen Details im Wasser wie auch die grüne Umgebung kommen bestens zur Geltung.

Fertiges Bild

Fertiges Bild

Fazit

Das Arbeiten mit dieser Technik hilft bei schwierigen Lichtsituation rasch weiter und hinterlässt keine HDR-Spuren. Ein grosser Vorteil ist, dass eine (technisch gute) Aufnahme als Ausgangslage ausreicht und ich vor Ort nicht entscheiden muss, ob eine Belichtungsreihe notwendig ist. Das spart viel Zeit und Speicherplatz.